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Weihnachten bei der „Muckerschen“
„ Sie haben mir eine Verehrung gegeben, beehren Sie mich bald wieder und empfehlen Sie mich weiter !“
Mit diesen Worten Ihres Vaters, eines Werderaner Kaufmanns, verabschiedete uns Frau Gabe aus Ihrer „Muckerstube“ im Herzen der Blütenstadt. Wir, die Schüler der Klasse 3A der OS „Carl-von-Ossietzky“, unsere Klassenlehrerin Frau Ostrowski und die begleitenden Eltern wurden durch die interessanten Geschichten von Frau Garbe auf eine spannende Zeitreise geschickt. Schon die Einrichtung ist eine wahre Fundgrube an Erinnerungsstücken, die zwei Gasträume zu einem Schatzkästchen werden lassen.
Die auf der Leine angeordnete Reizwäsche der Großeltern beeindruckte ebenso wie der Quirl aus der umgedrehten Weihnachtsbaumspitze, der Puppenwagen, das Grammophon, Opas Rasierzeug, Omas Stricknadeln, die Fotos an den Wänden und die vielen Alltagsgegenstände in den Regalen. Zu allen ausgestellten Dingen weiß Frau Garbe eine Anekdote zu erzählen und sie versteht es, ihre Zuhörer zum Staunen zu bringen.
Außerdem erfuhren wir viel über das Leben und Arbeiten der Obstbauern,
was den Obstzüchter vom Obstmucker unterscheidet, dass die Frauen 12
Stunden bis nach Berlin rudern mussten, um ihr Obst zu verkaufen oder
dass die Wiege des 1.Spankorbes in Werder steht.
Auf die vielen Fragen der Schüler gab die „Muckersche“ gern Antwort und
zum Abschluss hörten wir Lieder über Werder von der guten alten
Schellackplatte.
Während wir Frau Garbe lauschten, konnten wir viele Leckereien
genießen. Auf den bunten Tellern befanden sich, nach alten Rezepten
gebacken, Streuselkuchen, „Kalter Hund“, Oblatenlebkuchen und kleine
Martinshörnchen.
Im Anschluss an diesen eindrucksvollen Nachmittag nahm uns der
Nachtwächter in Empfang und entführte uns zu einem historischen
Rundgang über die Insel. Er begrüßte uns mit den Worten „Fünf ist die
Glocke!“. Sein Spruch ertönt nun immer morgens als geflügeltes Wort,
etwas abgewandelt vor der 1. Stunde, wenn es heißt, „Acht ist die
Glocke!“. Nun aber wieder zurück in die Vergangenheit. Wir hörten mit
Erstaunen von der Pferdebahn zum Bahnhof, vom Postsack voller Briefe,
der in der Havel versank, weil der Bote im Eis eingebrochen war und von
der Pferdekutsche des Königs, die im Morast steckenblieb.
In der Baderstraße waren wir überrascht über die vielen Aufgaben eines
Baders in früherer Zeit. So war er nicht nur fürs Baden zuständig,
sondern war auch als Friseur tätig und zog so manchen schmerzenden
Zahn. Wir erfuhren auch, wie die Michaelisstraße zu ihrem Namen kam und
vom traurigen Schick-sal des armen Schusters, dem sein Hunger zum
Verhängnis wurde.
Für uns alle war es ein schöner Vorweihnachtsnachmittag, an dem wir in
eine vergangene Zeit abtauchen konnten. Wir möchten uns ganz herzlich
bei Frau Garbe, Frau Enke und Frau Petrov bedanken, die uns dieses
Erlebnis ermöglichten und wir können mit gutem Gewissen die Worte des
Vaters aufgreifen und diesen Nachmittag erlebter Geschichte weiter
empfehlen!
Im Namen aller Kinder, Lehrer und Eltern
Heike Woltmann
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